12.04.2010 | Schule
Sachsen verschärft Bildungsempfehlung für Gymnasium
Künftig Notendurchschnitt von 2,0 statt 2,5 vorausgesetzt
Dresden (ddp-lsc). Für den Wechsel auf das Gymnasium gelten ab dem kommenden Schuljahr verschärfte Bedingungen. Künftig müssen Schüler der 4. Klasse für die Bildungsempfehlung einen Notendurchschnitt von mindestens 2,0 statt dem bislang geltenden Schnitt von 2,5 vorweisen, wie Kultusminister Roland Wöller (CDU) am Montag in Dresden mitteilte. Statt zwei Fächern werden dabei künftig drei Fächer, Deutsch, Mathematik sowie Sachkunde, berücksichtigt. Eine Drei kann ausgeglichen werden, aber für die Empfehlung darf der Schüler in keinem der drei Fächer eine Vier haben.
Sachsen verschärft Bildungsempfehlung für Gymnasium
Wöller sagte, die bisherige Regelung habe dazu geführt, dass ein Großteil der Schüler mit dem Schnitt 2,5 «ohne Erfolgerlebnisse» und «demotiviert» vom Gymnasium wieder zurück auf die Mittelschule gewechselt habe. Diese Schüler
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hätten auch nur schwer wieder Freude am Lernen gefunden und seien nicht erfolgreich gewesen, obwohl sie das Potenzial dazu gehabt hätten, sagte Wöller.
Im vergangenen Schuljahr wechselten knapp 1300 Schüler der Klassen
5 bis 9 vom Gymnasium an die Mittelschule. Wöller sagte, Schüler mit einem Notendurchschnitt von 2,5 bei der Aufnahme aufs Gymnasium hätten eine «dreifach höhere Wahrscheinlichkeit, den Anforderungen am Gymnasium nicht zu genügen». Er verwies auf eine Studie, nach der 15 Prozent der Gymnasiasten mit Bildungsempfehlung 2,5 sitzenblieben oder auf die Mittelschule zurückgingen. Der Anteil derer, die wechselten oder sitzenblieben, habe dagegen bei allen anderen Schülern mit besserem Notenschnitt bei unter fünf Prozent gelegen.
Die SPD-Fraktion kritisierte die vorgelegten Zahlen als undurchsichtig. Selbst wenn 15 Prozent der Gymnasiasten mit Bildungsempfehlung 2,5 sitzengeblieben oder an die Mittelschule zurückgegangen seien, «so haben es dann ja wohl 84,5 Prozent erfolgreich gemeistert», sagte die bildungspolitische Sprecherin Eva-Maria Stange.
Ab dem Schuljahr 2011/12 wird es zudem eine zweite Bildungsempfehlung in der sechsten Klasse geben. Für den Wechsel auf das Gymnasium müssten die Schüler in Deutsch, Mathematik und Englisch einen Notendurchschnitt von 2,0 oder besser haben, teilte Wöller mit.
Der bisherige schriftliche Eignungstest entfalle künftig. Neu sei auch eine sogenannte Schulbahnlaufempfehlung für Gymnasiasten der 6.
Klasse für die weitere Förderung.
Wöller betonte, dass die Hochschulreife in Sachsen über zwei gleichwertige Wege erworben werden könne: nach zwölf Jahren über das Gymnasium oder nach dreizehn Jahren über die Mittelschule und das berufliche Gymnasium. Beide Möglichkeiten sollten stärker in das Bewusstsein gerückt werden. Wöller verglich beide Wege mit einer «Autobahn» und einer «Bundesstraße». Beide seien «gut ausgebaut, befahrbar» und führten schließlich zur Hochschulreife. Damit würde Sachsen den unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler besser gerecht werden, sagte Wöller.
Die Veränderungen sind Teil der schwarz-gelben Koalitionsvereinbarung. Dabei ist auch die Umbenennung der Mittelschule in Oberschule vorgesehen, laut Wöller nicht nur eine Namensänderung, sondern auch eine Qualitätsverbesserung. Dafür soll bis Sommer 2011 das Schulgesetz geändert werden. Als weitere Maßnahmen sind Leistungsgruppen in der Oberschule und das Angebot einer zweiten Fremdsprache für alle Schüler der 6. Klassen vorgesehen.
Wöller betonte, mit der Bildungsempfehlung würden keinerlei Abschlüsse vorweggenommen, sie sei lediglich eine Prognose über die Leistungsfähigkeit des Schülers. Zudem sei eine getroffene Entscheidung «keine Einbahnstraße» und ein Schulwechsel bei nachgewiesener Leistungsfähigkeit jährlich möglich.
Die CDU-Fraktion sprach von «mehr Bildungsgerechtigkeit». Stange von der SPD-Fraktion sieht dagegen eine «besonders aufstiegsfeindliche Bildungspolitik». Statt die Auslese weiter zu verstärken und andere Fächer unter falschen Leistungsdruck zu setzen, sollte die Frage der Auslese überhaupt gestellt werden, sagte Stange.
Quelle: ddp/ror/jgu, kischuni.de-RedaktionDatum: 12.04.2010Mit dieser Veröffentlichung ist keine inhaltliche Prüfung und Empfehlung verbunden. Für alle präsentierten Nachrichten/Veranstaltungen sowie für die Qualität des jeweiligen Angebots zeichnen ausschließlich die Anbieter verantwortlich. kischuni.de übernimmt daher keine Haftung für Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Zusätzlich werden diverse Nachrichten von Nachrichtenagenturen wie DPA oder DAPD veröffentlicht. Die Fotos werden entweder von der Nachrichtenagentur selber geliefert oder die kischuni.de-Redaktion verwendet Fotos von Shutterstock. In allen Fällen übernimmt kischuni.de keine Haftung für den Inhalt.