Arbeitnehmer dürfen ein Zeugnis verlangen

Heidelberg (dpa/tmn) – Arbeitnehmer können nicht noch Jahre später auf einem Arbeitszeugnis bestehen, wenn sie sich vorher nicht darum gekümmert haben. Der Anspruch darauf verjährt üblicherweise nach drei Jahren.

So lange können die Betreffenden allerdings darauf bestehen, dass ihr früherer Arbeitgeber es ihnen ausstellt, sagte der Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Eckert aus Heidelberg. «Arbeitnehmer erhalten es aber nicht automatisch, sondern auf Verlangen.»

Theoretisch ist der Zeugnisanspruch bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses sofort fällig. In der Praxis ist das allerdings kaum realistisch, weil zunächst noch Informationen zusammengetragen werden müssen. Lässt sich der Arbeitgeber dafür zwei, drei Wochen Zeit, sei das noch völlig im Rahmen. Wenn es länger als drei oder vier Wochen dauert, bis das Zeugnis fertig wird, könne der Arbeitnehmer allerdings darauf bestehen, dass der Arbeitgeber sich nicht noch mehr Zeit lässt. «Er könnte dann auch vor Gericht ziehen und das Arbeitszeugnis einklagen», erläuterte Eckert.

Einen Anspruch auf eine bestimmte Bewertung im Arbeitszeugnis hat er aber nicht. Dagegen darf er grundsätzlich entscheiden, ob er ein einfaches oder ein «qualifiziertes» Zeugnis möchte. Das erste bestätigt lediglich, wann er bei dem Arbeitgeber beschäftigt war und worin seine Tätigkeit bestanden hat. Das zweite macht auch Aussagen darüber, wie gut er seine Aufgaben erledigt hat.

Jeder Arbeitnehmer hat grundsätzlich Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Aber nicht jeder, der glaubt ein Arbeitnehmer zu sein, ist auch einer: Für sogenannte freie Mitarbeiter beispielsweise gilt das nicht. «Ein Freier ist kein Arbeitnehmer», sagte Eckert. «Als Arbeitnehmer gilt, wer abhängig beschäftigt ist und wem Arbeitsort und Arbeitszeit vorgegeben werden.» Freie Mitarbeiter haben nur unter bestimmten zusätzlichen Voraussetzungen einen Zeugnisanspruch: Dann nämlich, wenn es sich um «arbeitnehmerähnliche Personen» handelt.

Wer für seinen Auftraggeber «weisungsfreie Dienstleistungen» erbringt, ohne wirtschaftlich von ihm abhängig zu sein, hat keinen Zeugnisanspruch. In der Praxis sei das allerdings häufig schwer zu trennen. Dagegen gilt der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis prinzipiell auch für Aushilfskräfte. «Auch wer befristet oder nur in Teilzeit beschäftigt ist, darf ein Zeugnis verlangen», sagte Eckert. «Sie dürfen in dieser Hinsicht nicht anders behandelt werden als Vollzeitkräfte.»