Ausbildung: Blockunterricht ist eine Herausforderung

Berlin (dpa/tmn) – Sandra Weihs verabschiedet sich von ihren Freunden in Berlin: «Ich bin dann mal für vier Wochen weg.» Sie besucht in dieser Zeit die Berufsschule in Tuttlingen in Baden-Württemberg. Ihre Lehrstelle in einer kleinen Firma in der Hauptstadt bleibt in dieser Zeit unbesetzt.

Während andere Azubis in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und wöchentlich am Unterricht teilnehmen, absolviert Sandra Weihs einen Ausbildungsblock an der einzigen Berufsschule für Chirurgiemechaniker. Normalerweise lernt der Azubi im Betrieb die Praxis und besucht ein- bis zweimal wöchentlich eine Berufsschule. Für bestimmte Berufe gibt es aber Ausnahmen.

So besuchen die Azubis in den Gesundheits- und Pflegeberufen ausschließlich staatlich anerkannte berufsbildende Vollzeitschulen. Ihre theoretischen Kenntnisse müssen sie parallel zum Unterricht in die Praxis umsetzen. Blockunterricht in den Berufsschulen entstand vor allem wegen praktischer Notwendigkeiten. Zum Teil gibt es bei bestimmten Berufen einfach eine geringe Zahl von Lehrlingen. So fiel die Entscheidung für konzentrierten Unterricht. Blockunterricht findet in etwa 140 Ausbildungsberufen statt.

Ekaterina Kouli, zuständig für Bildungspolitik beim Baden-Württembergischen Handwerkstag, nennt als Beispiele Instrumentenmacher, Landmaschinenmechaniker und das Bestattungsgewerbe. Auch Schuhmacher, Bootsbauer und Steinmetze gehören dazu, ebenso der Chirurgiemechaniker, den Sandra Weihs erlernt. Viele Azubis finden diese Art des Unterrichts gut: «Er ist konzentriert, man kann sich ungestört der Thematik widmen und durchgehend lernen», sagt Sandra Weihs.

Hella Lüth vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin möchte «keine pauschale Antwort» über Vor- und Nachteile dieser Unterrichtsform geben: «Wir hören Beurteilungen zwischen einem &Sehr Zufrieden& und Ablehnung.» Klagen gebe es vor allem über die lange Abwesenheit, wenn Auszubildende schon in Projekte eingebunden werden.

Beim Blockunterricht werden Auszubildende am Schulort untergebracht, wenn sie mehr als zwei Stunden täglich für An- und Abfahrt brauchen. Gewohnt wird in der Regeln in Heimen. Meist brauchen die Jugendlichen das Zimmer aber nicht mit anderen teilen. Kosten für Fahrten, Unterkunft und Verpflegung werden übernommen.

Sandra Weihs will als Chirurgiemechanikerin unbedingt den Meisterbrief machen, der für die Gründung und Führung eines Betriebes in bestimmten Handwerken zwingend vorgeschrieben ist. Auch dann wird sie sich wieder von ihren Freundeskreis verabschieden, um zum Blockunterricht zu fahren – in der Meisterklasse.