Bald in Straßburg: Neue Diplome für Studenten aus aller Welt

Straßburg (dpa) – Studenten aus den europäischen Nachbarländern finden in Straßburg bald ein erweitertes Studienangebot. Und wenn ab Januar 2009 in der elsässischen Hauptstadt die größte Universität Frankreichs entsteht, gibt es noch eine Premiere.

Erstmals wird dann ein Masterabschluss in Islamwissenschaften angeboten. «Dies ist keine Ausbildung zum Imam, es ist ein religionswissenschaftliches Aufbaustudium für angehende Historiker, Juristen oder Soziologen auf dem Weg zur Dissertation», sagt Projektleiter Francis Messner. Studieren kann man das neue Fach an der Rechtsfakultät der jetzigen Universität Robert Schumann, die ab Januar 2009 mit den Universitäten Louis Pasteur (Medizin und Wirtschaft) und Marc Bloch (Sprachen und Geisteswissenschaften) zusammengeschlossen wird.

Die Vertreter der drei Universitäten mit 43 000 Studenten und etwa 5000 Hochschullehrern haben sich kürzlich mit großer Mehrheit für den Zusammenschluss ausgesprochen. Diese gewaltige Wissenschaftsmaschinerie soll mit jährlich etwa 500 Millionen Euro in Betrieb gehalten werden, sagt Louis Pasteur-Präsident Alain Beretz. «Wir werden auch ein Internationales Begegnungszentrum bauen, um den ausländischen Studenten das Einleben zu erleichtern.»

Die Hochschulen wollen sich mit dieser neuen Struktur internationalen Standards anpassen und eine bessere Vergleichbarkeit der Studiengänge anstreben. Zur Zeit studieren mehr als 8000 Ausländer aus aller Welt in Straßburg, die meisten davon an der Universität Louis Pasteur, die ihr Prestige auch von dem elsässischen Nobelpreisträger für Chemie 1987, Jean-Marie Lehn, ableitet. Neu hinzu kommen bei Louis Pasteur ab 2009 zwei Masterabschlüsse in englischer Sprache, «Computational engineering» (Computertechnik) und «Corporate strategy and European financial integration» (Unternehmensstrategie und europäisches Finanzwesen).

Diese internationale Ausrichtung der Straßburger Universität hat Tradition. So ist das Institut für Dolmetscher und Übersetzer der Universität Marc Bloch seit Jahren über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Dort studieren etwa 250 junge Menschen aus EU-Ländern, Japan, Afrika und Amerika. Auch die 28-jährige Julia aus Göttingen arbeitet an einem einjährigen Master-Abschluss im Fach «Untertitel für audiovisuelle Medien», «weil ich in Deutschland nichts Entsprechendes gefunden habe», sagt sie. Am Schluss der Ausbildung, die immerhin bis zu 4000 Euro Jahresgebühr kostet, steht ein dreimonatiges Praktikum in einer Produktionsgesellschaft für den deutsch-französischen Fernsehsender ARTE.

Gute Erfahrungen mit dem EU-Hochschulprogramm Erasmus hat Claudia Soldini aus Zürich gemacht, die im Internet über ihre Erfahrung berichtete. Von der Universität Louis Pasteur habe sie immer «sehr rasch und kompetent Antwort bekommen», schreibt sie über ihren Straßburger Studienaufenthalt vor zwei Jahren. Im Mathematik-Studium habe sie Kommilitonen und Professoren schnell kennengelernt. «Die Klassen waren klein und es passierte oft, dass der Professor die Kaffeepause mit den Studenten verbrachte», schrieb sie auf der Website der Uni.