Betreuungsprogramm für hartnäckige Schulschwänzer

Berlin (dpa/tmn) – Eltern von hartnäckigen Schulschwänzern können sich von einem professionellen Betreuer unterstützen lassen. Das berichtet die Zentrale Regiestelle «Schulverweigerung – Die 2. Chance» in Berlin.

«Sogenannte Fall-Manager kümmern sich an bundesweit 73 Standorten darum, dass die Jugendlichen wieder regelmäßig zur Schule gehen», sagt Mahmut Kural von der Organisation. Die Jugendlichen, die in den Koordinierungsstellen betreut werden, sind in der Regel zwischen 10 und 14 Jahren alt.

Der erste Kontakt zu den Betreuungszentren wird oft durch das örtliche Jugendamt oder die Schule vermittelt. Eltern können sich aber auch direkt an die Initiative «Die Zweite Chance» wenden, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie von dem Europäischen Sozialfond (ESF) gefördert wird. Zunächst finde ein Gespräch mit den Jugendlichen in der Koordinierungsstelle statt. «Ein Jugendlicher wird nur dann in das Programm aufgenommen, wenn er auch wirklich damit einverstanden ist», sagte Kural.

Das Programm werde von den Jugendlichen sehr gut angenommen, denn hier sei jemand, der sie ernst nimmt und ihnen zuhört. Damit die Betreuung auch erfolgreich ist, müsse jedoch erst einmal Vertrauen aufgebaut werden. Dann wird ein individuelles Programm für den Heranwachsenden ausgearbeitet. «Im Regelfall bleiben die Kinder und Jugendlichen in ihren Ursprungsklassen, und die Beratungsstelle kümmert sich um die Freizeitgestaltung nach dem Unterricht», erläutert der Experte.

In der Freizeit findet zum Beispiel eine Hausaufgabenbetreuung statt oder das Training in einem Sportverein. Junge Mütter würden bei der Kinderbetreuung unterstützt. «Liegt das eigentliche Problem des Schülers dagegen in der Schule, zum Beispiel weil er von Mitschülern gemobbt wird, werden die Jugendlichen aus ihrer Ursprungsklasse herausgenommen», sagt Kural. Einige Koordinationsstellen haben mittlerweile sogar Lehrer eingestellt, um Problemfälle außerhalb der Schule unterrichten zu können

Sind die Jugendlichen über mehrere Monate oder sogar Jahre nicht mehr zur Schule gegangen, muss die Wiedereingliederung in die Schule schrittweise erfolgen. Gespräche mit dem Jugendlichen in der Schule seien hier ein Anfang. Die Fall-Manager sind laut Kural in der Regel ausgebildete Sozialpädagogen. Ihnen stehen häufig Psychologen und Pädagogen zur Seite. Denn die Probleme der Jugendlichen sind vielschichtig und liegen oft auch in der Familie.

Ob ein Jugendlicher in das Betreuungsprogramm aufgenommen wird, hängt zunächst von seinem Alter ab: «Ein 17-Jähriger ist eher schon zu alt für das Programm, da bald seine Schulpflicht endet», erklärt Kural. Gibt es in unmittelbarer Nähe des Jugendlichen kein Betreuungsangebot, komme der Fall-Manager teils auch zu den Betroffenen.