Bilder für mehr Übersicht: Arbeiten mit Mind Maps

Limburgerhof (dpa/tmn) – Den Anfang macht ein Wort in der Blattmitte. Von diesem Begriff zweigen Linien ab, die sich verästeln. Auf ihnen stehen weitere Wörter und kleine Bilder. Aus dem Gedankenwust, der eben noch im Kopf war, wird eine Übersichtskarte – eine Mind Map.

Mit ihr lassen sich Informationen strukturieren und neue Ideen sammeln. Wer zum Beispiel für eine Prüfung lernen muss, ist gut beraten, bei der Vorbereitung auf Mind Maps zurückzugreifen. Sie zu erstellen, ist nicht schwer. Schon Grundschüler arbeiten damit. Mind Mapping baut auf der Erkenntnis auf, dass der Mensch dann besonders viel leistet, wenn er sein gesamtes Gehirn einsetzt. Die am häufigsten angewandten Notiersysteme hätten in diesem Punkt jedoch deutliche Schwächen, bemängelte Tony Buzan, der Entwickler des Mind Mappings. Stichwortlisten mit untereinander notierten Worten forderten vor allem die Fähigkeiten der linken Hirnhälfte. Die rechte Hirnhälfte, die ihre Stärken unter anderem in den Bereichen Farbe, Vorstellungskraft und Gestalt hat, wird vernachlässigt.

Buzans Ziel war nun, eine Methode zu entwickeln, die beide Gehirnhälften anspricht – heraus kam das Mind Mapping. «Es basiert auf dem Prinzip der Visualisierung von Gedanken», erläutert Prof. Jürgen Tausch, der bis zu seiner Emeritierung als Fachdidaktiker an der Technischen Universität Braunschweig arbeitete. Statt Strichlisten zu führen, werden Gedanken in einer Gedächtnislandkarte notiert. Farben und Bilder spielen dabei eine wichtige Rolle. Denn einfarbige Notizen sind laut Buzan monoton: «Und was macht das Gehirn, wenn es sich langweilt? Es schaltet ab.» Wort-Bild-Kombinationen prägen sich seiner Ansicht nach viel besser ein.

Von Tony Buzan ursprünglich als Lernwerkzeug konzipiert, eignet sich Mind Mapping auch zum Entwickeln neuer Ideen, sagt Horst Müller, Mind-Map-Trainer aus Limburgerhof in der Pfalz. Das Thema wird als zentraler Begriff in der Mitte des Blattes notiert, davon gehen Linien ab. Auf sie werden die Assoziationen geschrieben. Die einzelnen Äste erlauben, dazugehörende Gedanken zu notieren. Da Mind Maps offener sind als Strichlisten, ließen sie viel eher zu, neue Gesichtspunkte aufzunehmen, so Tausch.

Die zweite große Stärke des Mind Mappings ist das Reduzieren komplexer Inhalte. Damit die Mind Map übersichtlich bleibt, kommt auf jeden Ast nur ein einzelnes Wort oder Symbol. «Das verlangt, dass man beim Erarbeiten eines Textes die wichtigen Dinge erkennt und die auch richtig benennt», erklärt Christiane Konnertz, die in Marburg Lernseminare für Kinder anbietet.

Schließlich hilft die Mind Map beim Strukturieren. Denn sie zwingt dazu, eine Hierarchie zu entwickeln, indem übergeordnete Begriffe gefunden und Zuordnungen vorgenommen werden. Linien, die vom Zentralwort in der Mitte des Blattes ausgehen, sind dicker als die weiteren Verästelungen. Aspekte, die zu einem Zweig gehören, bekommen die gleiche Farbe. «So eine Mind Map kann kunterbunt werden und für Außenstehende sehr unübersichtlich sein. Aber für den Autoren ist sie ein Spiegel seiner Gedanken», sagt Müller. Zwar stünden auf einer Mind Map nur einzelne Worte. «Aber das sind Schlüsselworte. Wenn man die liest, öffnet sich im Kopf automatisch eine Schublade.»

Literatur: Horst Müller: Mind Mapping, Haufe, ISBN: 978-3-448-07389-8, 6,90 Euro. Tony Buzan, Barry Buzan: Das Mind-Map Buch, mvg Verlag, ISBN: 978-3-478-71731-1, 24,90

INFO: Eine Mind Map als Gesprächsprotokoll

Jede Mind Map beginnt mit einem querliegenden Blatt. In die Mitte kommt das Schlüsselwort oder ein zentrales Bild für das Thema der Mind Map: «Meyer» kann für das Gespräch mit Herrn Meyer stehen. Hat Herr Meyer einen Bart, kann ein bärtiges Strichmännchen an ihn erinnern. Von dem Zentralbild gehen verschiedene Linien in Richtung der Blattecken ab. Wurde zum Beispiel vereinbart, mit Herrn Meyer zu telefonieren, wird auf eine der Linien «Telefon» geschrieben oder ein kleines Telefonsymbol gemalt.

Da für das Telefonat noch ein Vertrag herausgesucht und ein anderer Kollege befragt werden muss, verzweigt sich die Telefonlinie weiter – auf der einen steht der Name des Kollegen, auf der anderen «Vertrag». Müssen für den Vertrag Zahlen geprüft und Daten abgeglichen werden, teilt sich der Zweig erneut. Von «Meyer» in der Mitte kann zudem der Zweig «Auftrag» abgehen, mit Unterzweigen, für die Aufgaben, die für den Auftrag erledigt werden müssen. Ein langes Telefonat lässt sich auf diese Weise übersichtlich protokollieren.