Berlin (dpa/tmn) – Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle haben auch auf den letzten Metern noch eine Chance. Das Ausbildungsjahr beginnt zwar in vielen Betrieben bereits am 1. August.
«Die Aussichten, noch eine Stelle zu bekommen, sind aber so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr», sagte Markus Kiss vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin am Montag (21. Juli). Bundesweit sind einer DIHK-Umfrage zufolge noch Tausende von Lehrstellen frei.
Dabei hat lag die Zahl der bereits abgeschlossenen Ausbildungsverträge Ende Juni bei 187 126 – ein Plus von 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Noch deutlicher fällt der Vergleich zum Jahr 2003 aus: Damals gab es zum gleichen Zeitpunkt erst 145 400 abgeschlossene Lehrverträge. Auch wer bislang entgegen dem Trend noch keine Zusage bekommen hat, sollte deshalb nicht aufgeben: «In vielen Branchen wie dem Einzelhandel, aber auch in der Metallindustrie und in den IT-Berufen suchen die Unternehmen noch nach Auszubildenden», sagt Kiss.
Entscheidend sei allerdings, die eigene Bewerbungsstrategie auf den Prüfstand zu stellen, wenn sie bisher keinen Erfolg hatte: «Ein großes Problem ist, dass viele Jugendliche an ihrem ursprünglichen Berufswunsch festhalten, auch wenn es dort keine Lehrstellen gibt.» Zum Teil sei die Bereitschaft größer, einfach noch ein Jahr zu warten, als sich in einem anderen Bereich umzusehen. «Oft sind Jugendliche festgelegt – und dann manchmal gerade auf Berufe, in denen eher kaum etwas zu finden ist.» Flexibler zu sein, lautet hier der Tipp des DIHK und darüber nachzudenken, welche anderen Berufe möglicherweise auch gar nicht so schlecht sind.
Ein Problem sei, dass gerade in begehrten Berufen Lehrstellen vor allem in einzelnen Boom-Regionen wie Stuttgart oder München zu finden sind. «Es ist natürlich die Frage, inwieweit man von einem 16-Jährigen verlangen kann, dafür umzuziehen», sagt Kiss. Aber die Chance auf einen Ausbildungsplatz lasse sich durch Mobilität oft deutlich erhöhen. Nicht ausschließlich verlassen sollten sich Lehrstellensuchende auf die Mitarbeiter in den Arbeitsagenturen: «Es ist schon sinnvoll, selbst aktiv zu werden», sagt der DIHK-Experte für berufliche Bildung.
Dazu gehört auch, die Lehrstellenbörse selbst im Blick zu behalten und sich weiterzubewerben, wenn es dort in Frage kommende Angebote gibt. Ganz falsch sei jedenfalls die Überlegung, dass es wegen der relativen Entspannung am Lehrstellenmarkt nun ganz einfach werde, noch unterzukommen. Denn zum einen suchen viele Unternehmen Azubis mit Qualifikationen, die nicht jeder Bewerber mitbringt. Und zum anderen sind immer noch vergleichsweise viele Jugendliche ohne Ausbildungsplatz: Laut Statistik gab es Ende Juni rund 88 000 mehr Lehrstellensuchende als offene Stellen.