Familienfreundliche Uni Potsdam wird ausgezeichnet

Potsdam (dpa) – Der Junge zögert kurz, die umstehenden Kinder trommeln und pfeifen, dann schneidet er beherzt das rote Band durch. Sofort verteilen sich die Kleinen johlend im Garten; es gibt Sekt für die Erwachsenen und Eis für den Nachwuchs.

Nach langen Bauarbeiten ist im Juni schließlich das neue Außengelände der Kita «klEinstein» an der Universität Potsdam eröffnet worden. Die Kindertagesstätte selbst gibt es seit Oktober – die erste große Betriebskita in Brandenburgs Landeshauptstadt, wo der Nachwuchs von Studenten und Mitarbeitern betreut wird. 60 Kinder zwischen acht Wochen und sechs Jahren sind es derzeit; etwa doppelt so viele stehen auf der Warteliste.

Am 30. Juni erhält die Universität Potsdam als erste märkische Uni das Zertifikat «Familienfreundliche Hochschule». An dem Festakt der Stiftung Beruf und Familie im Berliner Kongresszentrum wollen auch die Bundesminister für Familie und Wirtschaft, Ursula von der Leyen (CDU) und Michael Glos (CSU) teilnehmen. Insgesamt werden rund 200 Institutionen, vor allem Unternehmen, ausgezeichnet, darunter aus Brandenburg auch noch die Fachhochschule Eberswalde. Im Falle der Bildungseinrichtungen wurden neben dem Betreuungsangebot unter anderem Kinderecken in der Mensa, Sonderregeln bei Prüfungen für Studierende und Eltern-Netzwerke beurteilt.

Geführt wird die Potsdamer Uni-Kita im Auftrag des Studentenwerks vom freien Träger Kinderwelt. Hierher kommen auch Kinder von Studenten und Beschäftigten der örtlichen Fachhochschule sowie der Hochschule für Film und Fernsehen. Gemäß dem Konzept wurden auch die inzwischen neun Tagesmütter integriert. «Bisher haben wir noch alle Kinder unterbringen können», sagt der Geschäftsführer von Kinderwelt, Gerald Sieger. «Selbst wenn Leute ankamen und meinten, ich brauche einen Platz in spätestens zwei Wochen.»

Notfalls werde dafür gesorgt, dass das Kind in kooperierenden Einrichtungen unterkommt. Jeden Dienstag können Eltern in einer Sprechstunde ihre individuellen Betreuungswünsche anmelden. Sieger führt gern durch die neue Kindertagesstätte, zeigt die Bäder, die ein Architekt mit Spiegeln und Waschsäulen gestaltet hat, den Ruheraum, die Turnhalle, in der einmal die Woche eine Theaterpädagogin mit den Kindern arbeitet.

90 Kinder hätten hier Platz, aber die Zahl sei bewusst auf 60 begrenzt worden – Qualität gehe vor, erläutert der Geschäftsführer. Das Besondere an der Kita sei schließlich, dass die Eltern, junge Akademiker, meist wenig Geld zur Verfügung hätten und dennoch hohe Ansprüche an so eine Einrichtung stellten.

Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks gibt es in Deutschland 123 000 Studierende mit Kind, was einem Anteil von etwa sieben Prozent an der Gesamtzahl entspricht. Sie brechen erfahrungsgemäß überdurchschnittlich oft das Studium ab und unterbrechen es der Statistik zufolge viermal häufiger als Studierende ohne Kind – durchschnittlich für fünf Semester.

Eine Mehrheit beklagt dabei den Mangel an geeigneten Betreuungsangeboten: Nur rund die Hälfte hat für den Nachwuchs einen Platz in einer Kita oder bei einer Pflegemutter gefunden. Und auch das hilft oft nicht weiter, wenn Lehrveranstaltungen am Abend zu besuchen oder Exkursionen am Wochenende mitzumachen sind.

Ob sich das Potsdamer Beispiel auf andere Hochschulen übertragen lässt, bezweifeln Leiterin und Sprecherin des örtlichen Studentenwerks, Karin Bänsch und Gudrun Wewetzer. Die Situation in den Städten sei ja sehr verschieden. Potsdam wächst, Kitaplätze sind knapp geworden, und die Stadt hat – statistisch – inzwischen die höchste Dichte an Wissenschaftlern bundesweit.