München (dpa) – «Amsel, Drossel, Fink und Star…» – die meisten Kinder kennen zwar diese Zeile aus dem Lied «Alle Vögel sind schon da», aber in der Realität können sie die gefiederten Genossen kaum noch unterscheiden.
Schüler kennen im Schnitt vier der zwölf häufigsten Arten, wie eine «Vogel-Pisa-Studie» der Fachhochschule in Weihenstephan ergab. Angehende Forstingenieure hatten vor zwei Jahren in Bayern 4. und 7. Klassen verschiedener Schularten besucht und den Kindern präparierte Vögel zum Erkennen mitgebracht. Ihre Untersuchung mit 3228 Schülern nannten sie in Anlehnung an den weltweit größten Schulleistungstest Pisa «Bird Identification Skill Assessment» – abgekürzt «Bisa».
Nur jedes dritte Kind erkenne einen Spatzen, der früher wegen seiner Häufigkeit als «Urbild des Profanen» gegolten habe, erläuterte der Zoologe Volker Zahner von der Fakultät Wald und Forstwirtschaft. Dabei war der Haussperling im Jahr vor der Untersuchung sogar Vogel des Jahres. Der Buchfink, der am häufigsten vorkommt, sei bei den Kindern so gut wie unbekannt, und acht Prozent kannten nicht eine einzige Vogelart. Nur jedes hundertste Kind erkannte alle zwölf Arten richtig.
Die Mädchen schnitten besser ab, vor allem aber beim Lieblingsvogel gab es starke Unterschiede zu den Jungen: Während diese Adler und Falken nannten, gefielen den Mädchen Rotkehlchen und Kolibri am besten.
Die Kinder, die ihr Wissen vor allem aus dem Fernsehen beziehen, konnten besonders wenige Vögel richtig benennen: Sie verwechselten die Amsel mit einer Rabenkrähe, den Zaunkönig hielten sie für einen Kolibri. «Sie konnten das nicht unterscheiden, weil der Größenbezug fehlte», erläuterte Zahner. Nistkästen oder Vogelhäuschen, vor allem aber ein eigener Garten verbesserte das Wissen, die Kindern kannten eine Art mehr als Gleichaltrige.
Am besten wussten die Kinder Bescheid, die ihr Wissen von Verwandten hatten – allen voran die Großeltern. Denn bei den Jüngeren nimmt das Wissen ab, so dass Eltern oft kaum besser Bescheid wissen als ihr Nachwuchs. Einer britischen Studie zufolge kannten laut Zahner bei den über 55-Jährigen 65 Prozent den Buchfink, bei den 20- Jährigen nur 44 Prozent. Nur wer die Arten kenne, könne sie schätzen und schützen, warnte Zahner.