Geisenheim/Bonn (dpa/tmn) – Die Deutschen sind europaweit Spitzenreiter im Fruchtsafttrinken. Dass die Fruchtsaftbranche viele Berufsperspektiven bietet, wissen aber nur wenige.
Gut ausgebildete Experten fehlen oft, obwohl zahlreiche deutsche Firmen Stellen zu besetzen haben. «Fachkräfte sind Mangelware», beklagt Michael Ludwig von der Forschungsanstalt Geisenheim in Hessen, die mit der Fachhochschule Wiesbaden Studierende der Fachrichtungen Weinbau sowie Getränketechnologie betreut.
Hauptproblem sei, dass die Fruchtsaft-Industrie ein unbekannter Arbeitgeber mit vielen Nischenberufen ist. Dazu gehören Ingenieure für Getränketechnologie, Wirtschafter für Obstbau und Obstveredlung, Fruchtsafttechniker sowie Wein- und Obstbautechniker. Auch der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF) in Bonn klagt über Nachwuchsprobleme. «Wir brauchen ständig neue Kräfte wegen der altersbedingten Fluktuation», sagt Geschäftsführer Karsten Sennewald. Die Branche behaupte sich mit etwa 7500 Beschäftigten.
Die Karriere in der Fruchtsaft-Industrie beginnt für die meisten mit einer je nach Schulabschluss zwei- bis dreijährigen Ausbildung zur Fachkraft für Fruchtsafttechnik. «Der Fruchtsafttechniker ist verantwortlich dafür, dass die Qualität in der Flasche standardisiert ist», erläutert Frank Einsiedler, Vorstand bei der Schlör Bodensee Fruchtsaft AG in Radolfzell. Das Aufgabenspektrum ist breit: Obstkelterung, Haltbarmachung, Aromagewinnung, Konzentratherstellung, Rezepturausmischung, Lagerhaltung und vieles mehr gehören dazu.
Die Facharbeitergehälter schwanken je nach Firma und Haustarifvertrag. 2800 bis 3000 Euro brutto im Monat seien gängig, sagt Einsiedler. Wer sich weiterbildet, kann aber auch mehr verdienen. Oft können Fruchtsafttechniker im Lauf ihrer Berufszeit zum Abfüllmeister aufsteigen und dann den gesamten Prozess der Saftherstellung überwachen. Aber auch Jobs wie Betriebsleiter oder Managementtätigkeiten seien denkbar.
Eine Alternative ist ein zweijähriges Aufbaustudium mit dem Abschluss «Staatlich geprüfter Techniker für Obstbau und Obstverwertung». Grundsätzlich seien die Chancen sehr gut, nach der Ausbildung auch einen Arbeitsplatz zu finden, sagt Ingenieur Ludwig. «Das ist allerdings meist mit einem Ortswechsel verbunden.»
Abiturienten können über ein Studium das Handwerk lernen. «Das sind dann Leute, die irgendwann mal im Vorstand eines Betriebes landen», erzählt Einsiedler. Mit einer Fachhochschulreife können Interessierte drei Jahre an einer FH lernen und als Bachelor of Science der Getränketechnologie abschließen. Zwei Jahre mehr – und man hat den Abschluss Master of Science in der Tasche. Wer ein Abitur mitbringt, dem bieten sich an Unis Studienfächer wie Lebensmittelwissenschaft und Biotechnologie sowie Brauwesen und Getränketechnologie.
Informationen: Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie, Mainzer Straße 253, 53179 Bonn, E-Mail: [email protected]; Forschungsanstalt Geisenheim, Von-Lade-Straße 1, 65366 Geisenheim, E-Mail: [email protected]