Gute Chancen für Mathematiker: Viele Türen stehen offen

Berlin (dpa/tmn) – Mathematikern stehen auf dem Arbeitsmarkt viele Türen offen. Ihre Chancen haben sich nach Einschätzung von Prof. Ehrhard Behrends von der Freien Universität (FU) in Berlin sogar noch verbessert.

«Es gibt einfach immer mehr Bereiche, in denen Mathematik gefragt ist», sagte Behrends. Potenzielle Arbeitgeber seien vor allem Banken und Versicherungen. Aber auch in den Entwicklungsabteilungen industrieller Betriebe seien sie gefragt, genau wie in der Telekommunikationsbranche. «Die Zahl der Stellen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen.» Auf diese Perspektiven will auch das Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) aufmerksam machen, das 2008 zum «Jahr der Mathematik» erklärt hat.

Selbst Verkehrsbetriebe können von mathematischem Know-How profitieren: «Das System der Berliner U-Bahn zum Beispiel ist so optimiert worden, dass jedes Jahr Millionenbeträge eingespart werden», sagte Prof. Behrends, der auch Präsidiumsmitglied der Deutschen Mathematiker-Vereinigung ist. Durch ihre Berechnungen der idealen Taktung von Verbindungen der U-Bahn hatten Mathematiker die Wartezeiten verkürzt.

Das Beispiel zeige, dass Mathematik auch zur Lösung ganz alltagspraktischer Probleme beitragen könne. Neue mathematische Verfahren in Kombination mit Computerressourcen, die vor wenigen Jahren noch nicht vorstellbar waren, haben Behrends zufolge die Möglichkeiten erweitert, die Mathematikern zur Verfügung stehen. Das machen sich beispielsweise Banken zunutze. «Großbanken beschäftigen Hunderte von Mathematikern, unter anderem für die sehr komplizierte Wahrscheinlichkeitsrechnung, die zur Bewertung des Optionsmarktes nötig ist», erklärt Behrends.

Ein wichtiger Arbeitsmarkt für Absolventen eines Mathematik-Studiums ist aber auch die Schule. Das gelte besonders für die Gymnasien. «Da gibt es einen großen Bedarf an Mathe-Lehrern.» Absolventen der Universitäten in Berlin würden oft gleich nach dem Examen von anderen Bundesländern abgeworben. Nur ein geringer Teil der Absolventen bekomme dagegen eine Stelle an einer Hochschule.

Die Umstellung vom Diplom-Studium auf Bachelor- und Master-Abschlüsse hat aus Sicht des Berliner Hochschullehrers durchaus Vorteile: «Mit dem Bachelor haben nun auch die Studenten eine Chance, die sonst nicht bis zum Diplom durchgehalten hätten.» Auch die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt seien für Mathematiker mit Bachelor nicht schlecht und denen der bisherigen FH-Absolventen vergleichbar.