Höflichkeit und Zurückhaltung sind Pflicht im neuen Job

Berlin (dpa/tmn) – Nach einem Jobwechsel sollte ein Arbeitnehmer in der neuen Firma Höflichkeit und Zurückhaltung an den Tag legen. «Es gilt das alte Sprichwort: Viel hören, viel sehen, wenig sagen», sagte der Karriereberater Thomas Rübel in Berlin.

Tabu seien in der Probezeit übermäßige Neugier und überschwängliche Vertraulichkeiten. «Viele haben das Gefühl, am Anfang besonders locker und lustig sein zu müssen. Genau das Gegenteil ist aber der Fall: Es gilt absolute Zurückhaltung», betont der Geschäftsführer des Büros für Berufsstrategie. Allerdings müsse man gleichwohl aufmerksam wirken. «Es ist in Ordnung, wenn jemand Fragen stellt, aber er darf natürlich nicht prahlen mit seinen Erfahrungen.» Den neuen Chef um Rat zu fragen, komme immer gut an. «Das ist eine Würdigung. In dem Moment wird er für sie Zeit haben», sagt Rübel. Verbesserungsvorschläge sollte man dagegen zunächst sammeln und dann nach überstandener Probezeit vorbringen.

Simpel, aber entscheidend sei es, sich die Namen der neuen Kollegen schnell einzuprägen. «Es ist ganz peinlich, wenn jemand zum vierten Mal fragen muss: &Wie war ihr Namen gleich nochmal&», sagt der Experte. Scherze über ungewöhnliche Namen der Mitarbeiter dürften selbstverständlich nicht gemacht werden. Auch das «Du» sollte man nicht sofort jedem anbieten. Zunächst müsse man die Regeln herausfinden, die dafür in der Firma gelten.

Wer trotz aller Bemühungen das Gefühl hat, dass es im neuen Job nicht läuft, sollte sich nicht scheuen, den Vorgesetzten oder die Personalabteilung anzusprechen, rät Rübel. «Man sollte offen fragen: &Wie sehen sie mich und was könnte ich besser machen?&. Damit zeigt man zumindest Reflexionsfähigkeit.» Die Personalabteilung sei ein guter Ansprechpartner, weil zu ihren Aufgaben auch Personalentwicklung gehöre. «Man will ja eigentlich niemanden nach der Probezeit wieder entlassen», sagt Rübel.

Dass es inzwischen Versicherungen gibt, mit denen man sich gegen ein Scheitern in der Probezeit zumindest finanziell absichern kann, hält Rübel für zweifelhaft. «Man muss sich doch überlegen, was man will: Will man Geld von der Versicherung – oder will man den neuen Job?» Auch Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg hält nichts von einer solchen Versicherung, bei der man Monatsbeiträge bezahlt und im Fall einer Entlassung während der Probezeit für bis zu zwölf Monate Geld bekommt: «Das ist völlig überflüssig.»