Im Trend: Berufsbegleitende Fernstudiengänge

Dresden (dpa) – Immer mehr Sachsen studieren neben dem Beruf, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Hochschulen und andere Einrichtungen im Freistaat reagieren auf den gestiegenen Bedarf und bieten Bachelor- oder Masterabschlüssen an, die auch von zu Hause aus erlangt werden können. Meist funktioniert dies mit Studienbriefen und vereinzelten Präsenzphasen. Am wichtigsten für ein Fernstudium ist heute jedoch das E-Learning, also das Lernen per Internet.

Im Wintersemester 2007/2008 waren laut Statistischem Landesamt 4445 Frauen und Männer in Fernstudiengängen an öffentlichen und staatlich anerkannten privaten Hochschulen in Sachsen eingeschrieben. Das sind über 500 Studierende mehr als im Wintersemester 2003/2004.

Die Universität Leipzig registrierte in der laufenden Einschreibungsphase für das Sommersemester erstmals genauso viele Fernstudienbeginner wie im Wintersemester, Tendenz steigend. In Leipzig sind etwa 400 Frauen und Männer in berufsbegleitenden Masterstudiengänge im Fernstudium eingeschrieben. Außerdem sitzt dort das Fernstudienzentrum, das die rund 1500 sächsischen Studierenden an der FernUniversität Hagen betreut. «Der Bedarf wächst, weitere Fernstudiengänge sind bereits in Planung», sagte die Leiterin der wissenschaftlichen Weiterbildung und Fernstudium, Monika Sosna.

Einen zunehmenden Andrang auf die ohnehin begrenzten Plätze in seinen Masterstudiengängen verzeichnet auch das Chemnitz Management Institute of Technology (C-MIT), die zentrale Weiterbildungseinrichtung der Technischen Universität Chemnitz. «Die Leute merken langsam, dass sie etwas tun müssen, um voranzukommen auf dem Arbeitsmarkt», sagte Brita Stingl vom C-MIT. Dass jemand dabei auf seine Berufstätigkeit verzichtet, sei sehr selten und meistens schon finanziell gar nicht möglich.

Je nach Studiengang sind die Lernenden zwischen Anfang 20 und Ende 50. Job, Familie und das Pensum eines berufsbegleitenden Studiums unter einen Hut zu bringen, das erweist sich für viele als Kraftakt. «Nebenberufliches Studieren wird mitunter zu leicht genommen», betonte Erich Schreiner von der Privaten FernFachHochschule Sachsen in Chemnitz. Die höhere Belastung führe dazu, dass mehr Frauen und Männer ihr Studium frühzeitiger abbrechen als bei einem normalen Präsenzstudium.

Stingl: «Am Anfang sind viele immer ganz euphorisch, doch etwa auf der Hälfte ist der Stressfaktor dann so hoch, dass die anfängliche Kraft verlorengeht.» Um einem Verlust ihrer Studierenden auf halber Strecke zu verhindern, bieten Fernstudieneinrichtungen zum einen Karenzzeiten. Aber auch eine Beurlaubung mit späterem Wiedereinstieg ist möglich.

Die FernUniversität Hagen ist die einzige staatliche Einrichtung in Deutschland, die ausschließlich als Fernhochschule fungiert. Deshalb sind zunehmend Angebote von privaten Einrichtungen oder Präsenzhochschulen notwendig, um die Nachfrage zu befriedigen. Die Universität Chemnitz zum Beispiel habe durch das 2006 eröffnete C-MIT erkannt, dass sie in der Weiterbildung aktiv werden müsse, um auf lange Sicht ihre Daseinsberechtigung zu behalten, sagte Stingl.