Ingenieur-Studium hat Imageproblem

Aachen (dpa) – Das Nachwuchs-Problem bei den Ingenieuren ist nach Fachmeinung auch ein Imageproblem. Ingenieurwissenschaften litten unter einem falschen Image, sagte der Vorsitzende des Dachverbands der Ingenieurs-Fakultäten an deutschen Universitäten, Prof. Manfred Nagl.

Das Ingenieurstudium gelte als zu schwer, zu anstrengend, zu trocken. «Da wird so oft gesagt, die Ingenieure, die basteln irgendetwas, die Informatiker sitzen den ganzen Tag vor dem Computer. Das ist natürlich falsch», sagte Nagl in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Aachen. Ingenieure arbeiteten an komplexen Lösungen. Und das sei keinesfalls so trocken, wie es oft dargestellt werde.

Der Ingenieursmangel ist ein Thema bei den Fakultätentagen der Ingenieurswissenschaften und der Informatik an Universitäten an diesem Montag und Dienstag in Aachen. Die sogenannten 4ING-Fakultäten repräsentieren bundesweit 2500 Professoren, 15 000 Mitarbeiter und 120 000 Studierende an Universitäten in Deutschland. 4Ing steht für Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen und Informatik.

Bundesweit fehlen nach Nagls Angaben schätzungsweise 90 000 Ingenieure. Gründe dafür seien auch «Nachwuchs-Dellen» in den 90er Jahren und im Jahr 2000, als die Berufsmöglichkeiten in dem Bereich nur als befriedigend galten.

Das Studium sei tatsächlich kein Spaziergang. «Es muss sich jemand zu präzisen Lösungen – zu Mathematik, zu Naturwissenschaften – hingezogen fühlen, aber auch etwas konstruktiv gestalten wollen.» Viele Studienanfänger wüssten aber oft nicht, was mit dem Studium auf sie zukomme. Sie schrieben sich ein, ohne orientiert zu sein. «Es gibt da keine ganz klaren Vorstellungen, was ist Maschinenbau, was ist Elektrotechnik, Bauingenieurwesen, Informatik.»

Das erkläre auch die hohe Abbrecherquote von rund 30 Prozent im ersten Semester. Ab dem dritten Semester liege diese Quote bei zehn bis 15 Prozent. Studenten sollten deshalb eine bewusste Entscheidung für das Studium treffen. Die Fakultäten wollen vor allem Studienanfänger besser begleiten. Das Einstiegsgehalt für Ingenieure sei mit jährlich etwa 42 000 Euro verhältnismäßig gut.