Lebenslanges Lernen: Regierung beschließt Bildungsprämie

Berlin (dpa) – Mit einer Prämie will der Staat Arbeitnehmer mit schmalem Geldbeutel zu mehr Weiterbildung motivieren: Die Bundesregierung beschloss am 23. April einen Zuschuss von bis zu 154 Euro im Jahr für Kurse und Seminare.

Geringverdiener, die höchstens 17 900 Euro jährlich verdienen (Eheleute: 35 800 Euro), können die Bildungsprämie von Oktober an beantragen. Wer sich weiterbilden will, kann künftig auch einen zinsgünstigen Kredit von der Staatsbank KfW bekommen oder seine Vermögenswirksamen Leistungen (VL) dafür einsetzen. Deutsche Berufstätige gelten im internationalen Vergleich als «Weiterbildungs-Muffel».

«Für ein erfolgreiches Berufsleben ist die Fortbildung eine entscheidende Voraussetzung», sagte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) in Berlin. Das Maßnahmenpaket zum lebenslangen Lernen soll in den nächsten Jahren etwa 60 Millionen Euro kosten. Das Geld kommt vom Bund und vor allem von der EU. Wichtige Neuerung ist die geplante Reform des Vermögensbildungsgesetzes, das die Verbraucher durch die vom Arbeitgeber und Staat geförderten VL-Leistungen kennen. Arbeitnehmer sollen in Zukunft bereits vor Ablauf der siebenjährigen Ansparfrist Geld für die Weiterbildung ausgeben dürfen, ohne ihre staatlichen Zulagen zu verlieren. Auch soll es eine bundesweite Telefon-Hotline zu Bildungsangeboten geben.

Die Regierung reagiert mit dem Konzept auch auf den dramatischen Fachkräftemangel in der Wirtschaft. Firmen suchen derzeit allein fast 100 000 Ingenieure. Durch die Nichtbesetzung von Stellen gehen der Wirtschaft Aufträge in Milliardenhöhe verloren. Durch mehr Weiterbildung sollen vor allem die Chancen von Geringqualifizierten auf dem Arbeitsmarkt erhöht werden.

Schavan will die allgemeine Weiterbildungsquote in der Bevölkerung bis 2015 von 43 auf 50 Prozent erhöhen. Dazu gehört zum Beispiel die private Teilnahme an Volkshochschulkursen. Bei der betrieblichen Weiterbildung sind die Zahlen deutlich schlechter. Mit einer Teilnehmerquote von 30 Prozent aller Beschäftigten liegt Deutschland im EU-Vergleich nur im Mittelfeld. Spitzenreiter Tschechien kommt auf 59 Prozent, Frankreich oder Schweden erreichen 46 Prozent. Der Anteil deutscher Firmen, die ihren Mitarbeiten Angebote zur Weiterbildung machten, ging zwischen 1999 und 2005 von 75 auf 69 Prozent zurück. Pro Mitarbeiter gaben die Unternehmen 2005 im Schnitt rund 504 Euro aus – ein Minus von knapp acht Prozent. Das geht aus einer im Februar veröffentlichten Studie über die betriebliche Weiterbildung in den 27 EU-Staaten hervor.