Mädchen früh für Naturwissenschaften begeistern

Göttingen (dpa) ­ Damit Mädchen später einen naturwissenschaftlichen Beruf ergreifen, müssen sie nach Ansicht der Biochemikerin Eva-Maria Neher in der Schule schon früh für Chemie, Biologie und Physik begeistert werden.

Bereits nach dem 14. Lebensjahr sei dies kaum mehr möglich, sagte die Leiterin des Göttinger Experimentallabors «X-Lab». Wichtig sei, alle drei Naturwissenschaften von der fünften Klasse an durchgängig zu unterrichten. «Der Unterricht muss experimenteller werden», sagte Neher.

Im X-Lab können Schülerinnen und Schüler unter Bedingungen wie an der Universität Experimente durchführen. Viele Mädchen hätten vor Naturwissenschaften nur deshalb Angst, weil die Gesellschaft es ihnen so vermittele. «Wenn man Mädchen und Jungen die gleichen Möglichkeiten gibt, dann zeigen sie auch ein vergleichbares Interesse», sagte Neher. «Ist das Interesse an Naturwissenschaften erstmal geweckt, sind Mädchen genauso leistungsstark wie Jungen.» Oftmals hätten die Mädchen sogar ein größeres Durchhaltevermögen.

In der Schule sei es wichtig, alle drei Naturwissenschaften von der fünften Klasse an durchgängig zu unterrichten, sagte Neher. Schüler sollten nicht mehr die Gelegenheit haben, zwei von drei Naturwissenschaften abzuwählen. «Gute Grundlagen in allen Naturwissenschaften erleichtern nicht nur das Studium, sondern sind genauso wichtig für eine gute Allgemeinbildung», erklärte Neher.

Oftmals wählten die Jungen Chemie- und Physik-Leistungskurse, die Mädchen entschieden sich für den vermeintlich leichteren Biologiekurs. «Das Vorurteil, Biologie sei leicht, muss aus den Köpfen raus», sagte Neher. Die moderne Biologie sei sehr schwierig und ohne Physik und Chemie gar nicht denkbar. Für die unteren Klassenstufen forderte Neher, dass der «Unterricht experimenteller werden muss». Dafür müssten jedoch die Stunden verlängert werden. «In 45 Minuten können weder Lehrer noch Schüler ein Experiment vernünftig durchführen.»