Qualifizierte Mitarbeiter werden in Firmen Mangelware

Stuttgart (dpa/tmn) – Die Suche nach qualifizierten und motivierten Mitarbeitern dürfte in der Zukunft noch schwieriger werden. «Früher mussten Vorgesetzte einfach nur den hohen Stapel mit Bewerbern kleinarbeiten», sagte Prof. Jörg Knoblauch bei der Bildungsmesse Didacta (19. bis 23. Februar) in Stuttgart.

Doch das sei längst vorbei. «Aus dem war of talents ist ein war for talents geworden», sagte der Recruiting-Experte – die qualifizierten Bewerber konkurrieren nicht mehr untereinander, die Arbeitgeber kämpfen nun um sie. «Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt, oft wird um gute Auszubildende schon so gekämpft wie um Führungskräfte.»

Nach wie vor gebe es in deutschen Unternehmen einen Mangel an hochmotivierten sogenannten A-Mitarbeitern, die sich durch Engagement und Eigeninitiative auszeichnen. Einer Gallup-Umfrage zufolge liegt ihr Anteil bei 13 Prozent (in der Schweiz 22 Prozent). Dagegen sei das Gros der Beschäftigten als B-Mitarbeiter einzustufen (68 Prozent, in der Schweiz 69 Prozent), die zwar nicht negativ auffallen, aber auch keinen Handschlag mehr machen als nötig. Mit 19 Prozent (Schweiz 9 Prozent) sei in Deutschland der Anteil der C-Mitarbeiter besonders hoch, die ausschließlich Dienst nach Vorschrift machen, wenig produktiv sind und innerlich schon gekündigt haben, sagte Knoblauch.

In den kommenden Jahren werde es für viele Firmen zum Problem werden, zu wenige A-Mitarbeiter zu haben und auf dem Arbeitsmarkt keine mehr finden zu können. Umso wichtiger werde der Aspekt Mitarbeitermotivation – etwa durch mehr Beteiligung an Entscheidungen, durch gute Informationspolitik im Unternehmen, durch viel Lob für die Mitarbeiter und durch Freiräume für persönliche Entfaltung. Auch materielle Belohnungen seien eine Möglichkeit, insgesamt aber weniger wirkungsvoll, sagte Knoblauch, der selbst ein Consulting-Unternehmen führt.

Vorgesetzte sollten «Mitwissen» großschreiben, also ansprechbar sein, eine Politik der offenen Tür praktizieren und Entscheidungen offen kommunizieren. Aber auch die Möglichkeit zum «Mitdenken» sei wichtig. Toyota etwa bekomme 64 Verbesserungsvorschläge pro Jahr und Mitarbeiter – davon seien deutsche Firmen noch weit entfernt. Nicht zuletzt sollten Mitarbeiter die Chance zum «Mitgenießen» haben. Das könne das kostenlose Bereitstellen von Fachzeitschriften genauso einschließen wie regelmäßige Dankesbriefe der Geschäftsleitung, eine halbjährliche Prämienzahlung oder eine Eintrittskarte für das Fitness-Center, die alle Mitarbeiter erhalten.