Sprache erforschen mit dem Lernprojekt «Sprach-Checker»

Mainz (dpa) – Mit Zuzanna aus Polen, Ahmet aus Berlin, Lukas aus Hamburg und Mercé aus Surinam können deutsche Kinder und Jugendliche künftig virtuell die Welt der Sprache entdecken.

Diese Charaktere des multimedialen Lernprojekts «Sprach-Checker» sollen spielerisch ein Gefühl für Sprache und Mehrsprachigkeit vermitteln. Die deutsche Version des Lernprojekts wird seit fast zwei Jahren von einem zwölfköpfigen Team Mainzer Sprachwissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität bearbeitet – zusammen mit niederländischen Forschern sowie einem deutschen Verlag. «Bereits heute ist die Sprachvielfalt an deutschen Schulen groß», erläutert Projektleiter Markus Steinbach in Mainz. «Doch deutsche wie ausländische Kinder wissen über ihre Sprache zu wenig.»

«Taaltrotters» – zu deutsch «Sprachwanderer» – heißt das niederländische Original und richtet sich an Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren. Seit 2002 auch wird es auch im Schulunterricht des Nachbarlandes eingesetzt. «Das Projekt war in den Niederlanden sehr erfolgreich und hat mehrere Medienpreise gewonnen», sagt Steinbach. Neben einer deutschen Version ist derzeit auch eine finnische und schwedische Ausgabe in Arbeit. Finanziert wird das Projekt mit 350 000 Euro von der Europäischen Union.

«Der Deutschunterricht bei uns vermittelt in erster Linie den Umgang mit Literatur und vernachlässigt die Grammatik», erklärt Linguist Steinbach. Dass aber auch Grammatik Spaß machen kann, soll «Sprach-Checker» beweisen. Das Projekt umfasst neben der CD mit einem einstündigen Film, interaktiven Spielen und Übungsaufgaben ein Übungsbuch sowie eine interaktive Plattform im Internet. «Es geht darum, Sprachbewusstsein zu entwickeln und zu erkennen, dass andere Sprachen in ihrem Aufbau anderen Regeln folgen als die Muttersprache.»

Die Übungsaufgaben der CD sind in die Geschichte von vier Berliner Jugendlichen integriert, die von einem Zauberer in die Welt der Sprache entführt werden. Mit dem Charakter der Mercé aus Surinam, einem lebhaften dunkelhäutigen Mädchen mit zwei frechen schwarzen Zöpfen, können die Jugendlichen erfahren, wie und wo im Mund Laute gebildet werden und wie Babys Sprache erlernen. Die blonde Zuzanna aus Polen hat genauso wie ihr marokkanischer Freund Yahya, der Französisch und Arabisch spricht, noch Schwierigkeiten mit der für sie anderen Wortstellung im Deutschen.

Lukas aus Hamburg redet mit seinem gehörlosen Bruder in der Gebärdensprache, mit seinen Freunden im Jugendslang und schreibt Kurzmitteilungen in der SMS-Sprache. Auch die unterschiedlichen deutschen Dialekte werden hier thematisiert. «Jugendliche sollten auch in der Art wie sie sprechen ernst genommen und Jugendslang nicht gleich verteufelt werden, sondern als kreative und lustige Art des Sprechens wahrgenommen werden», fordert Steinbach.

Der vierte Charakter ist Ahmet, ein türkischer Junge aus Berlin-Kreuzberg und zudem leidenschaftlicher Rapper. Bei ihm dreht sich alles um Sprachrhythmus, Emotionen und Lautstärke. Auch ein Rap kann eine Form von Sprachkompetenz sein, findet der Sprachwissenschaftler. «Im Grunde ist ein Rap vom Rhythmus wie ein Kinderlied.»

Steinbach und sein Team haben die niederländische Version ins Deutsche übersetzt und die CD um zahlreiche Lektionen erweitert. Um etwa den Dialog zwischen Ahmet und Lukas so authentisch wie möglich zu gestalten, habe ein professioneller Jugendspracheautor das Skript überarbeitet. Im Januar sprechen nun Synchronsprecher die Texte ein, im Februar soll die erste Demoversion fertig werden. «Sprach-Checker» soll dann auf der Internetplattform für jeden kostenlos zugänglich sein. Neben dem Einsatz im regulären Deutschunterricht oder zu Hause kann sich Steinbach auch Aktionstage an Schulen vorstellen, an denen «Sprach-Checker» vorgeführt wird.