Stereotype noch immer wichtig bei Berufswahl

München/Berlin (dpa/tmn) – Geschlechterstereotype spielen bei der Berufswahl nach wie vor eine große Rolle. Noch immer wählten Mädchen häufiger Berufe im Pflegebereich, im Verkauf, der Hauswirtschaft, der Kosmetik oder in den einfacheren Bürotätigkeiten als Jungs.

Das erklärte Waltraud Cornelißen vom Deutschen Jugendinstitut bei einer Veranstaltung des Gender Kompetenz Zentrums in Berlin. Eine repräsentative Studie aus dem Jahr 2002 habe gezeigt, dass schon Schülerinnen in der vierten bis siebten Klasse vor allem pflegerische und pädagogischen Berufe anstreben, während Jungs vor allem Tätigkeiten bei der Polizei und im technischen Handwerk bevorzugen.

Die Wahl der frauentypischen Berufe habe unter anderem etwas mit dem Fähigkeitsselbstkonzept der Mädchen zu tun – also mit der Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten. So hätten andere Studien ergeben, dass die positive Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich bei Jungen mit zunehmendem Alter immer weiter steigt, bei Mädchen aber nicht, erklärte Cornelißen. Daneben gebe es auch in Betrieben stereotypes Denken: So würden zum Beispiel Mädchen, die sich als Kfz-Mechatroniker bewerben, im Auswahlverfahren nicht gleichermaßen berücksichtigt wie Jungs. Und auch die Erfolgsquote der Jungen, einen Job als Kaufmann für Bürokommunikation zu bekommen, sei äußerst gering.

Schließlich spiele auch die Berufsbezeichnung eine wichtige Rolle bei der Wahl einer Ausbildung. Das lasse sich an den neuen IT-Berufen beobachten. So finden sich Cornelißen zufolge im Ausbildungsberuf Informationselektroniker nur 1,5 Prozent Frauen, während ihr Anteil bei den IT-Systemkaufleuten knapp 24 Prozent beträgt. Dies könnte darauf hindeuten, dass Mädchen häufiger Berufe wählen, deren Bezeichnung direkt auf eine verkäuferische Tätigkeit hinweist.