Tanzende Fußballer? Eignungstests zum Sportstudium

Köln/Regensburg (dpa/tmn) – Sie müssen 1,40 Meter hoch springen, die Kugel mindestens 7,60 Meter weit stoßen und danach noch 3000 Meter in maximal 13 Minuten laufen können.

Was nach olympischem Programm im Leichtathletik klingt, ist in Wirklichkeit Teil der Eignungsprüfung an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln. Die Hochschule ist damit aber kein Einzelfall. Mittlerweile muss fast jeder, der Sport studieren möchte, zuerst seine Sportlichkeit unter Beweis stellen.

Beinahe alle Universitäten verlangten inzwischen vor dem Sportstudium einen Eignungstest, sagt Frederik Borkenhagen von der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft in Hamburg. Die Prüfung sei allerdings von Standort zu Standort unterschiedlich, wobei ein bestandener Test an der einen Universität nicht automatisch von allen anderen anerkannt werde. In Bayern werde die Prüfung zum Beispiel für alle bayerischen Hochschulen zentral an einem Standort organisiert, in diesem Jahr für Frauen in Augsburg und für Männer in Würzburg.

Die Eignungsprüfung in Köln gilt laut Borkenhagen als besonders anspruchsvoll. Eine Durchfallquote von ungefähr 50 Prozent sei nicht außergewöhnlich, sagt Sabine Maas von der DSHS. Die Bewerber müssten in 20 Einzeldisziplinen antreten, dürften allerdings nur in einer einzigen durchfallen. Den Dauerlauf am Ende müssten sie aber auf jeden Fall bestehen. «Das bedeutet, auch Fußballer müssen in Turnen und Tanzen einigermaßen gut sein», erklärt Borkenhagen.

Im Gegensatz dazu treten die Abiturienten in Bayern nur in fünf Sportarten an, und zwar Geräteturnen, Leichtathletik, Schwimmen, Tanz und ein Mannschaftsspiel. Wobei die Disziplin Tanz auch durch ein zweites Spiel ersetzt werden dürfe, erläutert Hannsjörg Held von der Universität Regensburg, die den Prüfungsausschuss für die bayerische Eignungsprüfung stellt.

Für alle Sportarten gebe es Einzelnoten, die dann am Ende zu einer gemeinsamen Durchschnittsnote zusammengerechnet werden. Das bedeutet, wer in ein oder zwei Disziplinen nicht so gut abschneidet, kann das ausgleichen. «Ausnahmen sind allerdings Schwimmen und der 3000-Meter-Lauf, in beidem muss mindestens eine 4,5 erreicht werden», so Held.

Wer darüber nachdenkt, an einer Sporteignungsprüfung teilzunehmen, sollte laut Held einigermaßen sportlich veranlagt sein. Außerdem ist es von Vorteil, wenn der Betroffene über ein breites motorisches Können verfügt und Sportarten daher schnell erlernt, sagt Borkenhagen.

Darüber hinaus sollten sich Interessierte rechtzeitig am jeweiligen Institut über Termine und Inhalte der Prüfung informieren. «Wenn der angehende Student weiß, wo seine Schwachstelle ist, kann er noch rechtzeitig trainieren», erläutert Borkenhagen. Es werde zwar nicht erwartet, dass die Bewerber Spitzenleistungen erbringen, unvorbereitet sollten sie aber auch nicht in die Prüfung gehen.

Sabine Maas von der DSHS empfiehlt Bewerbern, die sich auf eine bestimmte Disziplin vorbereiten möchten, in einen Sportverein zu gehen. «Schwimmen zum Beispiel kann man sich nur schwer selbst beibringen», erklärt die Expertin. Denn dabei gehe es nicht nur um Zeit, sondern auch um den Schwimmstil. Gerade Menschen mit schlechter Kondition sollten ungefähr ein Vierteljahr vor der Prüfung beginnen, sich auf den 3000-Meter-Lauf vorzubereiten. «Mit einer Woche Training ist da nichts zu machen», warnt Held. Wer einmal durchgefallen ist, sollte sich nicht entmutigen lassen. Schließlich kann der Betroffene die Prüfung noch an anderen Hochschulen versuchen, sagt Borkenhagen.