Tübingen (dpa) – Sie vertreten die Interessen fremder Länder, ringen mit ihren Verhandlungspartnern um Formulierungen und hoffen, möglichst viel von ihrer Position in die abschließende Resolution zu retten.
Immer wieder fahren auch Studenten aus Baden-Württemberg zu internationalen Veranstaltungen, bei denen die Arbeit der Vereinten Nationen nachgestellt wird. Derzeit bereiten sich unter anderem Hochschüler aus Tübingen und Stuttgart-Hohenheim auf einen Einsatz auf «diplomatischem Parkett» vor.
Im März dieses Jahres reisen 16 Tübinger Studenten ins mexikanische Puebla, um dort an der «WorldMUN» teilzunehmen. Jedes Jahr findet diese Konferenz an einem anderen Ort statt. Sie wird jeweils von der gastgebenden Hochschule und der renommierten amerikanischen Universität Harvard organisiert. Nach Angaben der Veranstalter werden zur «WorldMUN» 1600 Teilnehmer aus mehr als 40 Ländern erwartet.
«Bei einer solchen Konferenz kann man vollkommen neue Erfahrungen machen», berichtet der 21 Jahre alte Tübinger Politik- und Geschichtsstudent Jacob Thomas. Für die eigene Perspektive sei es von großem Wert, sich in die Sicht eines fremden Landes hineinzudenken und diese Haltung bei der Konferenz zu vertreten. «Man muss nicht unbedingt Diplomat werden wollen, um davon zu profitieren.» Ein weiterer Vorteil sei der Kontakt zu den anderen Teilnehmern.
Ein Vergnügen, das – vor allem in Vorfeld – mit viel Arbeit verbunden ist: So ist Thomas als Vorstand des Tübinger Vereins Interpol (Internationales Forum für Studenten der Politikwissenschaft) derzeit auf Sponsorensuche. Die Geldgeber sollen zumindest einen Teil der rund 20 000 Euro finanzieren, die für den Trip nach Mexiko benötigt werden.
Hinzu kommt die inhaltliche Vorbereitung, wie Thomas anhand einer früheren Konferenz erläutert. Damals hatte er die Aufgabe, die Position des afrikanischen Landes Ruanda zu vertreten. In den Verhandlungen ging es um die Haftbedingungen für Frauen in den ruandischen Gefängnissen – kein Thema, das alltäglicher Gesprächsstoff an deutschen Universitäten wäre.
Der Tübinger Universitätsrektor Bernd Engler zeigt sich jedenfalls begeistert von dem Engagement seiner Studenten: «Das Projekt ist ein hervorragendes Beispiel der Leistungsfähigkeit und Praxisbezogenheit der geistes- und sozialwissenschaftlichen Ausbildung an der Universität Tübingen. Das hohe Engagement und das internationale Format des Projektes sollte auch die international aufgestellten Unternehmen der Region dazu motivieren, es finanziell durch Sponsoring zu unterstützen.»
Ebenfalls im März 2008 reisen Studenten von der Universität Hohenheim nach New York zur «National Model United Nations» (NMUN). Organisiert sind sie im Club of Hohenheim, der für seine Auftritte bei den nachgestellten Vereinten Nationen bereits einige Preise erhalten hat. 2006 gab es zum Beispiel eine Auszeichnung für die professionelle Repräsentation der Demokratischen Republik Kongo.
Die Vorsitzende des Club of Hohenheim, Regina Bossert, hat damals die Hohenheimer Delegation geleitet. «Wir haben uns um Unterstützung der internationalen Gemeinschaft für die demokratische Entwicklung des Kongo bemüht», berichtet die Studentin der Kommunikationswissenschaft. Ihr Team habe letztlich auch entsprechende Zusagen in einer Resolution erhalten. Ebenso wichtig wie dieser Erfolg sei aber etwas anderes: «Diese Konferenzen machen wahnsinnig viel Spaß», sagt Bossert. Entsprechend nimmt der Club of Hohenheim in diesem Jahr bereits zum siebten Mal an den NMUN teil.