Weibliche Führungskräfte gelten als Abweichlerin

Hamburg/Berlin (dpa/tmn) – Frauen sind in den Chefetagen deutscher Unternehmen nach wie vor eine Seltenheit. Erfolgreiche Frauen werden dadurch zur «zweifachen Abweichlerin», erläutert Prof. Daniela Rastetter von der Universität Hamburg.

Als weibliche Führungskräfte betreten sie erstens eine Männerdomäne, zweitens verlassen sie traditionelle Geschlechterrollen. Damit würden sich Frauen auf eine Gradwanderung begeben zwischen der weiblichen Rolle und der Führungsrolle, teilt das Genderkompetenzzentrum in Berlin mit.

Passen sich Frauen zu stark an das männliche Rollenmodell an, werden sie als unweiblich wahrgenommen. Entsprechen sie zu stark stereotyp weiblichen Merkmalen, werde ihnen die Berechtigung und Befähigung zur Machtausübung abgesprochen, so Rastetter. Denn ein idealer Manager werde weiterhin männlich gedacht. Stereotyp maskuline Eigenschaften seien erwünschter als feminine. Weiblichkeit werden nach wie vor mit Machtlosigkeit, Männlichkeit mit Macht assoziiert.

Um die Verunsicherung mit ihrer Rolle als «zweifache Abweichlerin» einzudämmen, lassen sich laut Rastetter verschiedene Rollen beschreiben, die Frauen ergriffen haben, oder die ihnen von Männern angeboten wurden. Dazu gehörten die Mädchenrolle, Mutterrolle, Verführerin und Amazone. Keine dieser Rollen lasse jedoch ein gleichberechtigtes Verhältnis mit männlichen Führungskräften zu.