Wenn Drittklässler studieren: FH bietet Kinderprojekt

Senftenberg (dpa) – Die Acht- bis Zwölfjährigen streben selbstbewusst dem Hörsaal auf dem Senftenberger Campus der Fachhochschule Lausitz entgegen. Dort sind die Schüler gern gesehen als Teil eines in Brandenburg einzigartigen Programmes zur Nachwuchsförderung.

Sie können seit 2005 immer samstags im Rahmen der Kinder-Universität speziell auf sie zugeschnittene Vorlesungen hören sowie in einem nächsten Schritt an Laborversuchen und Praktika teilnehmen. An diesem Samstag erhalten die kleinen Absolventen des Wintersemesters ihre Diplome.

Zu den etwa 300 Schülern der Kinder-Uni gehören die Zwillinge Max und Moritz Lehmann aus Senftenberg. «Am besten gefiel uns bisher die Chemie-Vorlesung mit den Experimenten», sagt Max. Sein Bruder Moritz fand eine Vorlesung noch interessanter, in der der Chefredakteur einer Kinderzeitschrift erklärte, wie solche Publikationen gemacht werden. Beide Schüler erzählen auch begeistert von den Röntgenbildern, die sie mit dem Chefarzt des Instituts für Radiologie und Neuroradiologie, Hartmut Husstedt, am Klinikum Niederlausitz auswerteten.

Die elfjährige Marietta Höfler ist ebenfalls «Gaststudentin». Das Mädchen hat besonders die letzte Vorlesung beeindruckt, bei der eigens für die Mini-Studenten passend zum Antarktika-Vortrag des Vermessungs-Professors Gerold Noack ein großer Schneeberg vor dem Hörsaalgebäude aufgeschüttet wurde. Einige der Kinder reisen von weither an, darunter aus Göttingen und Nordhausen im Harz. Schüchtern sind die kleinen Gasthörer nicht, sondern sie fragen den Dozenten buchstäblich Löcher in den Bauch. Eltern können nebenan in einem Hörsaal per Video-Übertragung die Vorlesung verfolgen.

Nahtlos schließt sich an der Hochschule seit 2007 für begabte Schüler ab zwölf Jahren die Wissenschaftsakademie («Science Academy») an. Insgesamt drei Jahre dauert für sie die Forschungsreise durch verschiedene Wissenschaftsdisziplinen. Bisher seien dort etwa 70 Schüler angemeldet, berichtet Hochschulsprecher Ralph-Peter Witzmann. «Es ist eine besondere Herausforderung, die Themen für die Schüler so aufzubereiten, dass sie alles verstehen», sagt die Mitorganisatorin und Biotechnologin Barbara Hansen.

«Wir freuen uns, dass unser Angebot so große Resonanz erfährt», erzählt Kathrin Erdmann, Initiatorin und Projektleiterin des Nachwuchsförderprogramms. «Wir bemerken selbst, dass die Kinder und die jungen Erwachsenen ihre Berührungsängste vor Wissenschaft und Hochschule verlieren und von selbst viele neugierige Fragen stellen. Genau das ist unser Ziel», äußert Erdmann. Sie verweist darauf, dass dieses Projekt nur durch die großzügige Unterstützung der Partner aus der Wirtschaft möglich ist.

Im Sommersemester soll noch ein weiterer Baustein hinzukommen: Dann fährt ein bis oben hin mit Experimenten gefüllter Bus, das im Land einzigartige «rollende Exploratorium», zu Gymnasien und Oberstufenzentren. Dadurch sollen diejenigen Schüler erreicht werden, die noch nicht die Möglichkeit hatten, direkt an der Fachhochschule Lausitz zu studieren.