Wie Arbeitnehmer richtig Kontra geben

Hamburg/Berlin (dpa/tmn) – Manche Chefs brüllen schon aus Prinzip. Und manche Mitarbeiter pampen ebenso selbstverständlich ihre Kollegen an. Nicht jeder kann gut damit umgehen. Und nur die wenigsten können sich souverän wehren. Ein paar Tricks sind dabei hilfreich.

«Vieles am Arbeitsplatz ist komplexer und schneller geworden», sagt Frank Kittel. «Kommunikative Fähigkeiten werden dadurch wichtiger», beobachtet der Pädagoge aus Hamburg, der als Coach arbeitet. Gerade wenn der Druck zunimmt, seien viele unsicher, wie sie angemessen reagieren sollen. «Dafür gibt es keine Rezepte», sagt Kittel. «Man braucht einen Koffer voll verschiedener Werkzeuge.»

Schließlich gibt es immer mehrere Möglichkeiten auf ein bestimmtes Verhalten zu antworten: «Das ist wie im Sandkasten», erklärt Kittel. «Wenn dir jemand die Schaufel wegnimmt, kannst du zuschlagen. Du kannst aber auch zu Mutti laufen oder anfangen zu verhandeln.» Zu wissen, dass es verschiedene Optionen gibt, hilft oft schon weiter. Auch bei Streit mit dem Kollegen oder Auseinandersetzungen mit dem Chef sollte die Frage erlaubt sein: Kann ich auch anders reagieren? «Manchmal kann geschicktes Nachgeben die Lösung sein. Manchmal reicht es schon, die Argumente des Gegenübers aufzugreifen.» Wichtig ist zu wissen, dass nicht der gewinnt, der recht behält.

Demütigende Niederlagen sind am Arbeitsplatz keine alltägliche Erfahrung. «Aber wenn man sie macht, nagen sie am Selbstwertgefühl», sagt Meike Müller. Manche reagieren dann eingeschüchtert, andere werden eher aggressiv. Einfach alles runterzuschlucken, sei keine Lösung, mit der man langfristig glücklich wird. Die Schlagfertigkeits-Trainerin aus Berlin empfiehlt Kontra zu geben: «Man sollte sich zunächst nur sagen Mir fällt etwas ein!» Schon das gebe mehr Sicherheit. «Es muss gar keine Antwort sein, über die die anderen noch nach Wochen staunen.»

Eine simple, aber effiziente Methode sei die Rückfragetechnik: «Meinen Sie wirklich, dass …?» Sie gibt das gute Gefühl, nicht völlig passiv geblieben zu sein. Ziemlich einfach sei auch der Bennungskonter, bei dem der Betreffende umschreibt, was der andere gerade mit ihm anstellt: «Ich werde hier lächerlich gemacht, aber ich würde gerne sachlich bleiben.»

Unterschiede gibt es in solchen Situationen häufig zwischen Frauen und Männern. «Frauen kommunizieren oft weniger direkt», sagt Erika Weber. «Sie setzen keine so klaren Grenzen», ist die Erfahrung der Kommunikationstrainerin aus Braunschweig. «Sie beginnen Sätze häufiger mit &Ich meine…& oder &Ich denke…&» Solche Formulierungen lassen es zu, dass der Sachverhalt auch ganz anders sein könnte. «Männer geben eindeutige Botschaften.»

Für manche Tricks braucht man etwas länger: Mit Humor zu arbeiten und ironisch auf rhetorische Angriffe zu antworten zum Beispiel, setzt eine gewisse Sicherheit voraus. Auch selbst aggressiv zu kontern, sei nichts für Anfänger, sagt Meike Müller. Choleriker, die schnell laut und unfair werden, lassen sich aber manchmal mit einfachen Mitteln stoppen: «Es kann schon reichen zu sagen &Bitte nicht in diesem Ton&.»

Literatur: Meike Müller, Lizenz zum Kontern. Rhetorische Selbstverteidigung, Eichborn, ISBN: 978-3-8218-5953-8, 12,95 Euro; Katrin Oppermann, Erika Weber: Frauensprache – Männersprache, Redline Wirtschaft, ISBN 978-3-636-01536-5, 9,90 Euro

INFO: Rhetorisches Kontern muss trainiert werden

Rhetorische Angriffe souverän zu kontern, geht nicht von heute auf morgen. Aber es lässt sich nach Meike Müllers Erfahrung durchaus lernen: «Man kann zum Beispiel üben hinzuhören, wie andere miteinander umgehen», rät die Schlagfertigkeits-Trainerin. Das geht auch in der U-Bahn: «Wenn ich bemerke, wie einer den anderen anblafft, kann ich mir überlegen, was ich darauf sagen würde.» Viel hängt zwar von der Persönlichkeit ab: Der eine ist zurückhaltender als der andere. Aber es komme auch nicht darauf an, dass jeder alle Kontertechniken gleich beherrscht: «Man sollte schon die trainieren, die einem am besten entspricht.»