Philologenverband kritisiert Führungszeugnis für Lehramtsanwärter

Osnabrück (ddp-nrd). Der Niedersächsische Philologenverband (PhVN) hat die geplante strengere Durchleuchtung von Lehrern in Niedersachsen scharf kritisiert. Der «Neuen Osnabrücker Zeitung»
(Freitag) sagte der Geschäftsführer Roland Neßler, «solche Maßnahmen stellen Lehrer unter Generalverdacht». Er halte nichts davon, «Misstrauen gegen spezielle Berufsgruppen zu säen».

Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) hatte angekündigt, zum Kampf gegen Missbrauch künftig vor der Anstellung ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis der Bewerber zu verlangen. Dies gebe auch Aufschluss über Sexualstraftaten sowie kleinere Delikte, die in der bisher üblichen einfachen Beurteilung nicht enthalten sind.

«Damit erreicht man keine höhere Sicherheit», kritisierte Neßler.
Wenn Übergriffe im Schuldienst erkannt würden, würden sie bereits schnell und mit allen Konsequenzen verfolgt werden. «Ich trete nachdrücklich dafür ein, dass jeglicher Missbrauch in aller Form geahndet wird», sagte der frühere Schulleiter. «Aber ich bin gegen Maßnahmen, die mehr der politischen Opportunität geschuldet sind.»

Im Zuge der Diskussion um Missbrauchsfälle hatte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) bereits angekündigt, die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses für sämtliche
«kinder- und jugendnah Beschäftigten» durch eine weitere Verschärfung der Gesetzeslage zur Pflicht machen zu wollen. Bereits am Mittwoch gab Nordrhein-Westfalens Schulministerin Barbara Sommer (CDU) bekannt, Schuldienst-Bewerber würden in ihrem Bundesland ab sofort nur noch nach Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses eingestellt.