Ausbildungsvertrag – mit Mustervorlage

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Ratgeber Ausbildung
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Welche Punkte sollten in einem Ausbildungsvertrag geregelt sein?

Nach dem Abschluss der Schule stellt sich für viele Schüler die Frage, ob man ein Studium beginnen möchte oder sich eine praxisnahe Ausbildung in einem passenden Betrieb sucht. Entscheidet man sich für letztere Variante, wird dabei zwangsweise ein Vertrag zwischen dem künftigen Auszubildenden und dem Ausbildungsbetrieb geschlossen. Dieser steht nicht nur in der Pflicht einen rechtsgültigen Ausbildungsvertrag aufzusetzen, sondern verpflichtet sich damit auch, dem Auszubildenden den jeweiligen Beruf zu lehren, was durch praktische Arbeit im Unternehmen und die führende Hand des Ausbilders geschieht. Der Ausbildungsvertrag unterliegt in Deutschland dabei gewissen Vorschriften, denen sich sowohl das Unternehmen als auch der Auszubildende zu verpflichten haben. Erst wenn der Vertrag auch rechtsgültig ist, kann die Ausbildung tatsächlich beginnen. Dabei sollten vor dem Ausbildungsbeginn noch einige Dinge seitens des künftigen Auszubildenden geklärt werden, sowie im Anschluss der Ausbildungsvertrag auch genau durchgelesen werden, um Missverständnisse schon im Vorfeld zu vermeiden.

Was gehört alles in einen rechtsgültigen Ausbildungsvertrag?

Der Vertrag selber wird zwischen zwei Parteien geschlossen: dem Auszubildenden und der Firma. Demnach müssen auch beide Parteien namentlich in dem Vertrag erwähnt werden. Weiterhin wird eine Ausbildung immer über eine bestimmte Dauer, oftmals 3 Jahre, durchgeführt, weshalb auch diese mitsamt Eintritts- und Austrittsdatum genau beziffert werden muss. Sollte es sich um einen größeren Konzern handeln oder eine Ladenkette, muss im Ausbildungsvertrag weiterhin erwähnt werden, in welcher Ausbildungsstätte der Azubi seinen künftigen Beruf gelehrt bekommt. Zwar sind verschiedene kurzfristige Perioden in anderen Ausbildungsstätten durchaus nicht ungewöhnlich, dennoch müssen dem Azubi immer eine feste Ausbildungsstätte mit seinem Ausbilder bereitgestellt werden. Da der Auszubildende dann künftig als Arbeitnehmer fungiert, stehen ihm natürlich auch Urlaubstage zu. Diese richten sich nach zweierlei Faktoren: dem Alter des Azubis und dem gesetzlichen Mindesturlaub der Branche. Wird der Beruf durch eine Gewerkschaft vertreten, erhält der Azubi automatisch den mit dieser vereinbarten Mindestsatz. Ist der Azubi noch unter 18, stehen ihm zudem weitere Urlaubstage zu, die das Unternehmen auch so im Ausbildungsvertrag verankern muss. Der Auszubildende hat weiterhin das Anrecht auf eine Vergütung der Ausbildung. Diese kann das Unternehmen frei festlegen, sofern keine Gewerkschaft in der Branche fungiert. Auch muss der Ausbildungsvertrag bei anerkannten IHK-Berufen an die IHK überstellt werden, weshalb die Entlohnung des Auszubildenden einem “gerechten Maß” entsprechen muss. Im Ausbildungsvertrag wird die exakte Summe, in Brutto, für alle Ausbildungsjahre schon im Voraus festgehalten. Diese darf nachträglich auch nicht mehr reduziert, kann jedoch bei guter Leistung und entsprechendem Willen der Firma angehoben werden. Zudem enthält der Ausbildungsvertrag Informationen mit Hinblick auf die Arbeitszeit. Diese wird in der Regel in Wochenstunden und zu arbeitenden Tagen festgehalten. Sonstige Vermerke im Ausbildungsvertrag betreffen hauptsächlich die Rechten und Pflichten des Betriebs und des Auszubildenden, sowie die gültigen Rechtsverweise. Die Ausbildung beginnt erst ab dem im Vertrag genannten Eintrittsdatum und sobald beide Parteien den Vertrag unterzeichnet haben. Es ist sicherzustellen, dass auch der Auszubildende eine Kopie des Vertrages ausgehändigt bekommt, sowie vom Unternehmen bei der IHK später zu allen notwendigen Prüfungen angemeldet wird.

Alle weiteren Regelungen, zum Beispiel die Erstattung von Fahrtkosten oder falls im Schichtsystem gearbeitet wird, sollten zwischen dem auszubildenden Unternehmen und dem Azubi im Vorfeld abgeklärt und gegebenenfalls auch im Vertrag verankert werden. Nur so lassen sich später Streitigkeiten schnell und unkompliziert lösen, ohne dass eine der beiden Parteien sich ungerecht behandelt oder benachteiligt fühlt. Die oben genannten Punkte sind ein zwingender Bestandteil eines jeden Ausbildungsvertrags, weshalb sowohl das Unternehmen als auch der Auszubildende darauf achten sollte, dass alle notwendigen Punkt auch im Vertrag enthalten sind. Da der Vertrag später an die IHK übergestellt wird, erfolgt oftmals jedoch meist eine Ablehnung des Vertrags, sofern dieser Punkte enthält die nicht zulässig oder nicht rechtsgültig sind. Da man sich als Auszubildender bei einer Anstellung in einer Firma zudem automatisch in einer “dualen Ausbildung” befindet, steht der Auszubildende weiterhin in der Pflicht die Berufsschule zu besuchen. Diese wird meist vom Arbeitgeber gewählt, sollte aber um weitere Umstände zu vermeiden sich in der Nähe des Wohnortes des Auszubildenden befinden. Der Betrieb steht dabei nicht in der Pflicht, die Kosten für die An- und Abreise zur Berufsschule zu übernehmen. Entspricht es dem deutlichen Wunsch des Auszubildenden, dass diese Kosten getragen werden, weil die Vergütung allein nicht ausreicht um die Transportkosten zu übernehmen, muss dies im Vorfeld mit dem Ausbildungsbetrieb abgesprochen werden. Wie bereits erwähnt, ist dieser jedoch weder in der Pflicht die Kosten für die An- und Abreise zur Berufsschule, noch die Verkehrskosten für An- und Abreise zum Ausbildungsbetrieb zu übernehmen. Das auszubildende Unternehmen steht jedoch in der Pflicht, dem Azubi das Schulgeld zu entrichten. Dies geschieht in der Regel aber völlig automatisch, so dass der Auszubildende hierauf keinen Einfluss nehmen braucht.

Gut informiert und gerüstet schon vor dem Beginn der Ausbildung

Der Auszubildende hat vor dem Beginn der Ausbildung schon für einige Verpflichtungen seinerseits Sorge zu tragen. So wird die Ausbildungsvergütung, welche vorher im Ausbildungsvertrag auch exakt beziffert wird, auf ein deutsches Bankkonto überwiesen. Dieses muss also im Vorfeld im Vertrag vermerkt werden. Sollte noch kein eigenes Girokonto bestehen, ist dieses noch vor Ausbildungsbeginn anzulegen. Nachträgliche Änderungen können natürlich durchgeführt werden, jedoch sollte dann auch darauf geachtet werden, dass eine Kopie des Ausbildungsvertrages mitsamt aktualisierten Kontodaten ausgehändigt wird. Auch muss eine Lohnsteuerkarte noch vor Beginn der Ausbildung abgegeben werden, da künftig als Auszubildender auch Sozialabgaben fällig werden. Eine Lohnsteuer selber wird meist nicht erhoben, da die Ausbildungsvergütung oftmals zu gering ist. Im Zweifelsfall bei einigen Punkten oder bei Streit zählen immer die Informationen, die im Ausbildungsvertrag enthalten sind. Mündliche Vereinbarungen können so vor dem Arbeitsgericht zum einen nicht haltbar gemacht werden und sind weiterhin auch nicht nachzuverfolgen. Sollten also spezielle Punkte in den Ausbildungsvertrag eingetragen werden – sofern diese auch rechtlichen Grundlagen entsprechen – muss dies immer schriftlich geschehen. Im Anschluss sind natürlich auch bei Änderungen die Unterschriften der beiden Parteien notwendig. Der Ausbildungsvertrag unterscheidet sich also nicht so sehr von einem Arbeitsvertrag, weshalb auch dieser während der Dauer der Ausbildung gut gehütet werden sollte. Kommt es zu Streitigkeiten ist dieser der IHK oder gar dem Arbeitsgericht immer zwingend vorzulegen, weshalb auch das Anlegen einer Kopie der Kopie eine sinnvolle Maßnahme ist.

Was steht in einem Ausbildungsvertrag
  • Beide Parteien namentlich
  • Dauer
  • Beginn
  • Ausbildungsort
  • Urlaubstage
  • Gehalt
  • Arbeitstage und Wochenstunden
  • Rechte und Pflichten beider Parteien
  • Fahrtkosten
  • Girokonto des Auszubildenden

Siehe auch

kischuni.de-Ratgeber: Bewerbungsmappe mit Mustervorlage
kischuni.de-Ratgeber: Bewerbungsgespräch
kischuni.de-Ratgeber: Einstellungstest
kischuni.de-Ratgeber: Ausbildungsvergütung
kischuni.de-Ratgeber: Verhaltensregeln in der Ausbildung


Weblinks

Formular Ausbildungsvertrag der IHK Nord Westfalen


Quellen

ihk-nordwestfalen.de: IHK Nord Westfalen