Hochschularten im Überblick

Kategorien
Ratgeber Studium
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
Email
Share on print
Drucken

Welche Hochschularten gibt es in Deutschland und wie sind diese zu unterscheiden?

Die deutschen Hochschulen zählen international nach wie vor zu den angesehensten in der Welt. Zwar wird bisweilen der fehlende Wettbewerb unter den deutschen Hochschularten kritisiert. Auch hinkt die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Einrichtungen dem internationalen Vergleich sicherlich hinterher. Ausländische Experten bescheinigen den deutschen Hochschulabschlüssen hingegen ein hohes Niveau. Grundsätzlich wird man hierzulande also an vielen Universitäten, Fachhochschulen und anderen Hochschularten hervorragend ausgebildet und für eine auch international taugliche akademische Karriere eingestellt. Politische Unterstützung erhält die deutsche Landschaft der Hochschularten durch die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Dabei werden so genannte Elite-Universitäten beim Aufbau und Unterhalt einer guten Lern- und Forschungsumgebung finanziell unterstützt. Die Gelder kommen zum Beispiel Graduiertenschulen für Doktoranden oder bedeutenden Forschungsprojekten zu gute. In der gerade beginnenden zweiten Förderphase bis 2017 dürfen insgesamt elf Hochschulen den stolzen Titel “Elite-Universität” tragen.

Die Universität

Die Universität ist die bekannteste und älteste unter den Hochschularten. Schon ihr Name verrät einiges über die Art dieser Bildungseinrichtung. “Universität” kommt vom lateinischen “universitas” und bedeutet “das Ganze” oder “die Gesamtheit”. An einer Universität kann man also buchstäblich alles studieren. Dies ist zwar nicht ganz korrekt, denn zahlreiche spezielle und ausgefallen Studiengänge werden nur an bestimmten Hochschulen angeboten. Doch muss eine Universität auf jeden Fall Studiengänge aus den wichtigsten wissenschaftlichen Fachrichtungen wie den Geisteswissenschaften, den Naturwissenschaften, der Medizin, der Theologie, den Rechtswissenschaften sowie den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften anbieten, um ihren Status als umfassende Bildungseinrichtung zu rechtfertigen. Unbedingte Voraussetzung für die Aufnahme an einer Universität ist die allgemeine Hochschulreife. Der Abiturschnitt (numerus clausus) bestimmt zudem sehr häufig, ob und wann man eine Zulassung erhält, wobei manche Studiengänge auch zulassungsfrei sind. Außerdem gibt es in Einzelfällen weitere zu erfüllende Bedingungen um aufgenommen zu werden, beispielsweise Aufnahmetests oder der Nachweis bestimmter Kurse.

Neben Studium und Lehre widmen sich die universitären Einrichtungen vor allem der wissenschaftlichen Forschung. Sie leisten damit einen bedeutenden Beitrag zu Innovation und Fortschritt einer Gesellschaft in technischer, sozialer und wissensbezogener Hinsicht. Wer nach dem Studium eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, kann oft auch an der Universität bleiben, denn hier findet er gute Forschungsbedingungen und kann zudem eine Promotion absolvieren.

Die Fachhochschule

Auch die Fachhochschule ist eine sehr umfassende Bildungseinrichtung unter den Hochschularten. Sie setzt ihren Schwerpunkt allerdings stärker auf anwendungsorientiertem Gebiet. Daher liegt der Fokus von Fachhochschulen oft auf “praktisch” orientierten Studiengängen aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Aber auch Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften finden oft ihren Eingang in das Studienangebot. Geisteswissenschaften wie Theologie oder Philosophie dagegen normalerweise nicht. Im Gegensatz zur Universität genügt für die Fachhochschule bereits die Fachhochschulreife als Zulassungsvoraussetzung. Allerdings verlangen viele Studiengänge weitere Vorkenntnisse im Rahmen von Praktika, Berufsausbildungen oder durch einen Meistertitel. Viele Fachhochschulen gingen aus staatlichen Ingenieursschulen, höheren Fachschulen oder Akademien hervor und wurden als echte Alternative zu den Universitäten seit Ende der 60er Jahre in Deutschland gefördert und ausgebaut. Mittlerweile dürfen Fachhochschulen sogar Titel wie University oder University of Applied Sciences führen, welche auf das große Fächerangebot hinweisen. Obwohl man als Fachhochschulabsolvent im allgemeinen weniger verdient als als Universitätsabsolvent, schätzen Unternehmen die praktische Erfahrung der Fachhochschulstudenten ganz ungemein.

Ursprünglich als reine Lehrinstitute eingerichtet, werden Fachhochschulen mittlerweile auch intensiv für Forschungsprojekte aller Art genutzt. Eine Promotion oder Habilitation ist dort zwar nicht möglich, jedoch kann man als Diplom- oder Masterabsolvent ohne Weiteres an einer Universität für eine Doktorarbeit zugelassen werden.

Die Technische Universität (TU)

Technische Universitäten sind aus technischen Hochschulen hervorgegangene Bildungseinrichtungen und haben seit dieser Umstrukturierung erheblich an Akzeptanz gewonnen. Heutzutage sind die meisten Technischen Unis kaum noch von allgemeinen Universitäten zu unterscheiden. Schwerpunktmäßig liegen die Studiengänge zwar im ingenieur- und naturwissenschaftlichen Bereich, jedoch hat eine typische TU in der Regel auch ein weit darüber hinaus gehendes Fächerangebot. Viele technische Universitäten haben daher mittlerweile den Status einer Volluniversität oder wurden sogar auch rechtlich in eine solche umgewandelt. Forschung und Lehre sind vielerorts auf einem hohen Niveau und auch Promotionen sind bedenkenlos möglich.

Die Kunsthochschule

Die Kunsthochschule ist im Prinzip ein zusammenfassender Begriff verschiedener Hochschularten. Allgemeine Kunsthochschulen umfassen dabei nicht nur die künstlerischen Studiengänge im engeren Sinne, zum Beispiel Bildende Kunst, Musik oder Schauspiel, sondern darüber hinaus auch alle Fächer, die mit künstlerischer Kreativität zu tun haben. So können sich auch Architekten, Designer, Medienwissenschaftler oder Kulturwissenschaftler an einer Kunsthochschule gut aufgehoben fühlen. Kern der Lehre bleibt jedoch die Ausbildung angehender Künstler durch Künstler-Professoren. Dadurch unterscheiden sich die pädagogischen Methoden und die Lernumgebung häufig von denen in einem Universitätshörsaal. Im Rahmen der angebotenen Fachbereiche ist die Kunsthochschule ansonsten aber einer Universität gleichgestellt. Zugelassen wird, wer das Abitur vorweisen kann und eine Aufnahmeprüfung als Nachweis künstlerischen Begabung besteht. Ist diese besonders herausragend, kann man unter Umständen sogar ohne Abitur zu einer Kunsthochschule zugelassen werden. Entsprechend große Akzeptanz besitzen die erreichbaren Abschlüsse. Um zum Professor berufen zu werden, ist jedoch nicht unbedingt eine Promotion oder Habilitation notwendig. Stattdessen wird ein überragendes und anerkanntes künstlerisches Lebenswerk als Voraussetzung verlangt.

Die Musikhochschule

Unter den Hochschularten ist die Musikhochschule eine spezielle Kunsthochschule, bei der die musikalischen Talente der Studenten besonders gefördert werden. In Deutschland gibt es in erster Linie zwei Typen: die allgemeine Musikhochschule und die Hochschule für Kirchenmusik. Zum Teil gibt es Verknüpfungen zu Schauspiel, Tanz oder anderen künstlerischen Fachgebieten. Neben den Studiengängen über Gesang und bestimmte Instrumente sind auch die Fachrichtungen der Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Musiktheorie entscheidende Elemente des Fächerangebotes einer Musikhochschule. Die übrigen Eigenschaften und Bedingungen unterscheiden sich nicht wesentlich von denen einer Kunsthochschule.

Die Filmhochschule

Was die Musikhochschule für angehende Musiker ist, das ist die Filmhochschule für Film- und Fernsehschaffende. Allerdings werden dort in der Regel nicht unbedingt Schauspieler ausgebildet. Vielmehr lernen hier Drehbuchautoren, Filmkomponisten, Kameraleute, Produzenten, Regisseure, Schnittmeister, Szenenbildner und Tonmeister das Handwerkszeug für ihre spätere Berufstätigkeit. Auch Filmhochschulen haben normalerweise den Status einer Kunsthochschule und sind rechtlich und strukturell von diesen Hochschularten meist nicht sehr verschieden.

Die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung

In der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) werden Anwärter für den gehobenen Dienst in staatlichen Einrichtungen und Ämtern ausgebildet. Sie sind dementsprechend staatlich geführte und geförderte Hochschularten, um benötigtes Personal für den öffentlichen Dienst und die Verwaltung der öffentlichen Strukturen heranzuziehen. Das Studium ist neben den fachtheoretischen Inhalten besonders darauf ausgelegt, fachpraktische Kenntnisse in verschiedenen Behörden zu vermitteln. Zulassungsvoraussetzung ist neben der Fachhochschulreife die Zugehörigkeit zum Verwaltungspersonal. Schon während der Ausbildung haben die Auszubildenden daher den Status eines Beamten auf Widerruf.

Die Universität der Bundeswehr

Die Universität der Bundeswehr bietet für Militärdienstleistende während ihrer Ausbildung die Möglichkeit zum Studium außerhalb der gängigen Hochschularten. Hat man die allgemein-militärische Offiziersausbildung hinter sich gebracht, kann man an einer der beiden Bundeswehr-Universitäten zwischen 20 auch zivil anerkannten Studiengängen wählen. Die Studienrichtung ist dabei nicht zwangsläufig an den Einsatzbereich beim Militär gebunden. Dienstleistende in Luftwaffe und Marine müssen allerdings einen technischen Studiengang wählen. Durch die Ausbildung an der Universität der Bundeswehr erlangen die Soldaten nicht nur höhere Kompetenzen für ihren Dienst, sondern vor allem auch bessere Eingliederungschancen in Gesellschaft und Arbeitsmarkt nach dem Militärdienst.


Siehe auch

kischuni.de-Ratgeber: Hochschulabschlüsse im Überblick
kischuni.de-Ratgeber: Studienmodelle im Überblick
kischuni.de-Ratgeber: Zulassungsbeschränkung und Auswahlverfahren
kischuni.de-Ratgeber: Studiengebühren, Finanzierung und Förderung
kischuni.de-Ratgeber: Leben und Wohnen als Student